Rotmilan im Sinkflug – Geschützte Greifvögel in Gefahr

Die ersten Rotmilane sind aus ihrem Winterquartier zurück. Vor kurzem wurden bei uns wieder diese schönen Greifvögel gesichtet. Und die erste Rotmilansichtung erreichte uns aus Freden. Mittlerweile sind daraus schon mehrere Sichtungen geworden, so dass wir auf ein erfolgreiches Brutjahr hoffen. Nach der verregneten letzten Saison würde es der örtlichen Rotmilan-Population sehr gut tun.

Um so wichtiger ist es jetzt wieder gemeinsam für den Schutz der Rotmilane einzustehen!

Insbesondere in Anbetracht der bisherigen Ereignisse. Wie bekannt wurden im Frühjahr 2016 massive Störungen eines Rotmilanhorstes beobachtet, z.T. auch gehört und von verschiedenen Personen an uns gemeldet. Entsprechend groß ist auch 2018 unsere Verantwortung für die Rotmilane, welche unter Naturschutz stehen*.

Die geschützten Tiere kehren in der Regel ab Februar in die Reviere zurück und beginnen ab März mit der Balz. Ende März/Anfang April beginnen die Weibchen dann mit der Brut. Daher ist es wichtig, sich vor allem im April und Anfang Mai an Waldrändern ruhig zu verhalten. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass die brütenden Vögel aufgescheucht werden, was für die Tiere einerseits sehr viel Energie kostet und andererseits die Eier auskühlen lässt. Das würde den Tod der noch nicht geschlüpften Rotmilanküken bedeuten – besonders bei noch sehr niedrigen Temperaturen. Unsere lokale Population kann dadurch extrem gefährdet werden.

Der Rotmilan ist bei Windkraftprojekten oft ein Hindernis oder sogar ein KO-Kriterium, wenn sich ein Horst näher als 1.500 m am geplanten Standort einer Windkraftanlage befindet*. Aber auch der Flugkorridor zum Horst oder sogar das Nahrungshabitat, in dem der Rotmilan oder andere Greifvögel ihre Beute jagen, kann für einen Projektierer von Windkraftanlagen ungünstig liegen. Vor diesem Hintergrund ist schon oft ein Horst plötzlich „verschwunden“.

Anstatt die Horste zu zerstören, werden häufig in Kenntnis des obigen Sachverhaltes Horstbäume auch einfach und unauffällig schlicht „abgeklopft“. Das Abklopfen des Horstbaumes ist eine gängige Methode, um den brütenden Vogel zum Abflug vom Horst zu bewegen. Ziel des Störenden ist es, dass der Altvogel nicht wieder zum Horst zurückkehrt und die Eier erkalten. Frische Schlagspuren sind meist deutlich z.B. durch Abdrücke von Metallstangen in der Rinde, Trittspuren oder Reste von Fasern genutzter Äste zu erkennen. Selbst Trampelpfade durch häufiges Besuchen des Horstbaums lassen sich oftmals ausmachen.*

Nicht nur die Zerstörung von Rotmilan-Horsten im Rahmen der Planung von Windkraftanlagen, sondern auch das Stören und erst recht das vorsätzliche Stören von Greifvögeln stellt eine Straftat dar, die mit bis zu 5 Jahren Gefängnis und/oder bis zu 50.000 € Geldstrafe geahndet werden kann!* Schon das mutwillige häufige Befahren von Waldwegen in der Nähe von Greifvogelhorsten kann übrigens bei Sachkenntnis als strafbarer Tatbestand angesehen werden.

Bei Verdacht auf eine illegale Verfolgung von Greifvögeln sollte daher sofort die Polizei direkt eingeschaltet und zusätzlich ein entsprechender Naturschutzverband  informiert werden. Wir empfehlen hier den „Ornithologischen Verein zu Hildesheim“ (OVH) in dem auch der in Freden bekannte Vogelexperte Mr. Alistair Hill aktives Vorstandsmitglied ist. Gerne nehmen natürlich auch wir als BI Informationen entgegen, prüfen sie und leiten sie entsprechend weiter.

Trotz all diesen Gefahren drücken wir dem Rotmilan die Daumen für eine erfolgreiche und ungestörte Aufzucht der Jungen. Da es zwischen Wispenstein und Freden nach wie vor Planungen zu weiteren Mega-Windkraftanlagen gibt, sollten wir alle gerade jetzt besonders wachsam sein.

In diesem Zusammenhang möchten wir gern nochmal auf unseren letzten Artikel hinweisen. „Augen auf für den Rotmilan“

Quelle: https://www.leineblitz.de/aktuelles/datum/2018/03/16/rotmilan-erfassung-im-landkreis-hildesheim/ (stand auch in der Kehrwieder am Sonntag vom 19.03.2018)


Weitere Quellen zu unserem Artikel

Informationen zum Schutzstatus von Vögeln gibt die
WISIA-Datenbank des Bundesamts für Naturschutz:

Informationen zum Bestand des Rotmilans:
Artikel zum Rotmilan auf WIKIPEDIA

Die PROGRESS-Studie und Begleitmaterial:
http://bioconsult-sh.de/de/projekte/progress/

Anzahl installierter Windkraftanlagen Ende 2017 auf der offiziellen Seite des Bundesverbands Windenergie: https://www.wind-energie.de/infocenter/statistiken/deutschland/windenergieanlagen-deutschland

Empfohlene Abstände von Horsten zu Windkraftanlagen im „Helgoländer Papier“ der „Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten“:
http://www.vogelschutzwarten.de/windenergie.htm
(Download für Niedersachsen im unteren Teil der Seite)

Bestände und Rückgänge des Greifvogelbestands, Straftatbestände:
http://www.greifvogelverfolgung.de/content/leitfaden-greifvogelverfolgung
http://www.greifvogelverfolgung.de/content/veroeffentlichungen

Rotmilan als Hindernis für den Windkraftausbau:
https://www.nabu.de/news/2015/12/19931.html
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/energie/erneuerbare-energien-energiewende/windenergie/06358.html

Fotos von Rotmilanen (im Artikel nicht genutzt)
http://www.brodowski-fotografie.de/beobachtungen/rotmilan-bilder.html

Augen auf für den Rotmilan

Der OVH (Ornitologischer Verband Hildesheim) führt in diesem Jahr wieder eine Rotmilan-Erfassung durch. Erfasst werden Tiere, ihre Nahrungshabitate (also wo die Tiere jagen) und natürlich auch Nester. Sichtungen der Tiere können gerne auch mit Ort, Datum, Uhrzeit (und ggf. Flugrichtung) direkt an uns gemeldet werden, wir leiten sie entsprechend an den OVH weiter.

Der Rotmilan ist weiterhin in seiner Art bedroht und streng geschützt. Es ist daher unser aller Aufgabe, diese majestätischen und wertvollen Tiere in ihrer Art zu erhalten. Auch Windkraftprojekte müssen auf die Tiere Rücksicht nehmen. Um so wichtiger ist es, ihre Art realistisch zu erfassen und bewerten. Jeder Hinweis (auch einzelne Sichtungen) sind wichtig.

Weitere Informationen zum Rotmilan und seinem Schutzstatus gibt es hier: https://nrw.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/jagd/jagdbare-arten/greifvoegel/06751.html

Quelle: https://www.leineblitz.de/aktuelles/datum/2018/03/16/rotmilan-erfassung-im-landkreis-hildesheim/ (stand auch in der Kehrwieder am Sonntag vom 19.03.2018)

Mehr Stillstand als Laufzeit

Nach über 710 Tagen ist es den Betreibern von Freden1 doch noch gelungen, die nun knapp zwei Jahre stillstehende Anlage wieder in Betrieb zu nehmen. Damit stand die Anlage bisher länger als sie jemals gelaufen ist – sie ging Ende Juli 2014 in Betrieb und war damit bisher um die 560 Tage aktiv.

In der Zeitung wird gerne beschrieben, dass Sie 2000 Haushalte mit Strom versorgen könnte. Das stimmt natürlich nicht. Denn damit das klappen könnte, müssten immer optimale Windbedingungen herrschen. Rund um die Uhr. Und die Haushalte müssten gleichmäßig den Strom der Anlage beziehen. Da niemand von uns Backofen, Föhn und Fernseher rund um die Uhr laufen lassen möchte, ist die Zahl daher eher eine Zahlenspielerei, die mit der Realität nichts zu tun hat.

Am 17. Januar sind nun die beiden Autokräne zurück nach Goslar und der Mega-Kran weiter zu seinem nächsten Einsatz gereist. Der ist übrigens wahrscheinlich in Portenhagen bei Dassel. Denn auch dort müssten die Rotorblätter an augenscheinlich zwei Anlagen des gleichen Typs ausgetauscht werden. Gerüchten zu folge sollen insgesamt bis zu 30 Anlagen des Herstellers VENSYS einen Riss auf Grund mangelnder Verarbeitung der Rotorblätter erlitten haben. Die Anlage selbst ging wahrscheinlich am 26.01. wieder in einen Testbetrieb.

Und der Müll? Die offiziellen Zahlen zum Gewicht eines Rotorblatts liegen nicht vor, allerdings kann bei einem Rotorgewicht von 71 Tonnen (Quelle: AZ) und dem Vergleich mit anderen Anlagen (z.B. EnerCon) davon ausgegangen werden, dass ein Rotorblatt um die 17 Tonnen wiegt. 30 Anlagen * 3 Rotorblätter * 17 Tonnen bedeutet dann, dass 1.530 Tonnen(!) Müll in Form alter Rotorblätter angefallen sind. Laut statistischem Bundesamt sind z.B. im Jahr 2015 pro Einwohner 559kg Haushaltsmüll angefallen. Die zu entsorgende Menge an Sondermüll entspricht damit dem Jahresmüllaufkommen kommen von über 2730 Bürgern.

Kran ist da und liegt…

Der Mega-Kran ist am 19.12. in Freden eingetroffen. 30 Laster sollen ihn über Nacht gebracht haben. Nach der Montage liegt er inzwischen montiert neben dem Windrad und wartet laut Zeitungsbericht auf besseres Wetter.

Der Kran kann nur bei wenig Wind aufgerichtet werden und auch die Montage der Rotoren dürfte nur gelingen, wenn sie nicht zu doll im Wind schlingern. Wann die Montage der Rotoren nun erfolgt, ist bisher nicht bekannt.

Die Anlage Freden1 steht inzwischen seit 23 Monaten still und damit länger als sie sich bislang je gedreht hatte. Hersteller VENSYS soll es nach uns vorliegenden Informationen in über anderthalb Jahren nicht geschafft, passendes Ersatzmaterial zu beschaffen und zu liefern.

Die Tierwelt wird’s gefreut haben und es stellt sich die Frage, ob der Bereich um die Anlage von der heimischen Tierwelt nicht längst wieder als sicher empfunden wird. Spannend ist auch, ob in der Zeit geringerer Gefahren durch Flügelschlag für bestimmte Tierarten auf der Marke wieder vermehrt Rotmilane oder andere geschützte Arten geflogen sind. Hier freuen wir uns auch auf Ihre Hinweise. Sprechen Sie uns gerne an oder schreiben Sie uns über unser Kontaktformular.

Rotoren da – wo bleibt der Kran?

Tama66 / Pixabay

Am Dienstag Abend waren auf der Marke Flutlichtstrahler zu sehen. Bis in die Dämmerung hinein waren Schüttlastwagen und Maschinen im Einsatz. Wir vermuten, dass zu dieser Zeit die Wege weiter stabilisiert wurden. Denn in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hat es Hersteller VENSYS nach knapp zwei Jahren scheinbar geschafft, Ersatz für die defekten Rotorblätter von Freden1 anzuliefern.

Nun stehen drei LKWs mit Rotorblättern an der Windkraftanlage – pünktlich zum ersten Schneefall am heutigen Donnerstag. Vom Kran ist nach unserer Kenntnis noch nichts zu sehen. Wohl aber wissen wir aus eigenen Recherchen (schon im Herbst letzten Jahres – also 2016), dass ein entsprechend dimensionierter Kran zum Austausch von Rotorblättern in 140 Metern Nabenhöhe mit einer Frist von etwa sechs Wochen zu bekommen sein soll. Wir hatten dazu direkt mit entsprechenden Anbietern gesprochen. So sind wir uns sicher, dass nicht verfügbare Kräne wohl zu keinem Zeitpunkt ein Grund für den fast zwei Jahre dauernden Austausch der defekten Rotorblätter der Anlage gewesen sind.

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass die Anlage steht. Für die aktuelle -in unseren Augen weiterhin verfehlte- Energiepolitik ist das sogar sinnvoller, aber eine transparente Information von Anwohnern und Medien sieht wohl anders aus.

Gratulation: 20 Monate Stillstand von Freden1

Anfang Februar 2016 war ein Knacken von der Marke zu hören. Seitdem steht Freden 1 still. Flügelbruch. Angeblich Materialfehler der Rotoren aus Fernost. Nicht reparierbar. Lieferant der Rotoren angeblich insolvent. Dumme Geschichte.

Aber auch wenn es so war, stellt sich die Frage, weshalb der Hersteller VENSYS es bis heute nicht geschafft hat, neue Rotoren an die Anlage zu liefern. Wer wie die Mitglieder der BI DIALOG|WINDKRAFT die aktuelle Durchführung der Energiewende kritisch sieht, muss diesen Zustand begrüßen, denn der Bruch der Rotoren verhindert zumindest, dass auch Freden 1 das massive Problem der unkonstanten Stromgeneratoren für unser Stromnetz weiter erhöht. Seltsam bleibt der Fall dennoch.

Inzwischen mehren sich die Gerüchte, dass VENSYS es nach fast zwei Jahren geschafft haben soll, einen Liefertermin für die neuen Rotoren bekanntzugeben. Zu Weihnachten soll Freden 1 die neuen Rotoren haben. Wir behalten das Geschehen weiterhin im Auge. Das Foto stammt übrigens aus dem Archiv – Freden 1 ruht weiterhin gemütlich im Trudelbetrieb in der Landschaft.

Was ist eigentlich LIDAR?

… genau vor dieser Frage standen wir heute auch. An der alten Deponie bei Imsen steht LIDAR in der Landschaft. Sauber von Bauzäunen umgeben und mit einem Solar-Panel zur Energieversorgung ausgestattet. Zwei Mitglieder unserer BI wurden bei Google fündig: LIDAR ist ein System zur laserbasierten Windmessung. Mit dem System ist es nach Angabe des Anbieters BBB Umwelttechnik möglich, Windeschwindigkeiten in Höhen von über 140 Metern zu messen. Damit dürfte ein weiterer in Planung befindlicher Standort für neue eine neue Windkraftanlage bekannt geworden sein.

Wir bedauern, dass nach den (laut veröffentlichten EEG-Zahlen) schlechten Ertrag der Freden 1 weitere Anlagenplanungen in gleicher Umgebung initiiert werden. Zwar scheinen diesmal mit dem Einsatz von LIDAR die Hausaufgaben etwas besser gemacht zu werden, als es bei Freden 1 augenscheinlich der Fall war. Dennoch stellt sich auch hier die Frage, weshalb hier weiterhin Profit-Interessen gegen den Wunsch vieler Bürger nach einer objektiven Auswertung aktueller Technik der Energiewende und der wissenschaftlichen Würdigung möglicher gesundheitlicher Risiken (Infraschall) durchgesetzt werden sollen. Ganz zu schweigen vom Landschaftsbild…

Schallwirkung von Windrädern auf Menschen

Bereits vor wenigen Wochen hatten wir einen Beitrag des emeritierte Physikers Dr. Wolfgang Hübner im Themenbereich „Infraschall“ veröffentlicht. In einem neuen Gastbeitrag geht Dr. Hübner nun etwas tiefer ins Detail und erklärt sehr allgemeinverständlich und mit Beispielen, weshalb die Theorie der Gesundheitsgefährdung durch moderne Windkraftanlagen möglich sei und weitere Forschung zu diesem Thema betrieben werden sollte:

 

 

Zusammenfassung:
Große Windräder sind auch kräftige Schallgeneratoren für tieffrequente Schall- und Druckwellen im Bereich von 1 bis 400 Hz. Im Genehmigungsverfahren wird primär die Signalaufnahme unseres Ohrs als Maßstab für eine akzeptable Beeinträchtigung durch die Schallimmissionen genutzt. Unser Ohr ist jedoch nicht das einzige druckempfindliche Sinnesorgan. Vielmehr besitzen wir eine
Vielzahl von Barorezeptoren, die auf Druck und Wechseldruck in einem breiten Frequenzbereich mit hoher Empfindlichkeit ansprechen. Belegt mit einem einfachen Experiment zeigen die nachfolgenden Überlegungen, dass bei den im tieffrequenten Bereich gültigen Immissionsgrenzwerten ein Ansprechen weiterer druckempfindlicher Sinnesorgane sehr wahrscheinlich ist. Die dadurch ausgelösten Reize könnten für die bei Anliegern von Windkraftanlagen berichteten Symptome, wie innere Unruhe und Schlaflosigkeit, verantwortlich sein.

Windräder mit 250 m Höhe und mehr erzeugen nicht nur Strom, sie sind auch kraftvolle Schallgeneratoren. Je größer das Windrad, umso intensiver und weiter wird Schall mit tiefen Frequenzen abgestrahlt und zwar zu einem wesentlichen Teil getaktet mit etwa 1 Hz, angeregt durch den Flügeldurchgang am Mast.

Der abgestrahlte Schall besteht aus Druckschwankungen mit einem für das Windrad typischen Frequenzspektrum. Diese Druckschwankungen breiten sich über die Luft und den Boden aus. Da Druck gleich Kraft pro Fläche ist, wirken auf den menschlichen Körper im Umfeld des Windrades messbare wechselnde Kräfte.

Als Maß für den Schalldruck wurde in der Messtechnik das logarithmische Maß „Schalldruckpegel“ Lp=20 log (Gemessener mittlerer Druck/Bezugsschalldruck) mit der Einheit dB eingeführt. Dabei entspricht der Bezugsschalldruck einem Druck von 2×10-5 Pa (Pascal, wobei 1 Pa=0,102 kg/m2). Per Definition liegen 0 dB dann vor, wenn der gemessene Schalldruck gerade dem Bezugsschalldruck entspricht. Der
Bezugsschalldruck wiederum entspricht etwa der Hörschwelle des Menschen bei einer Frequenz von 1000 Hz.

Zum Größenverständnis von Schalldruckpegeln ist es wichtig, sich die Wirkung des logarithmischen Maßstabs zu verdeutlichen: Egal mit welchem dB- Wert wir starten, 20 dB mehr von diesem Wert entsprechen einem Druckanstieg um den Faktor 10. Starten wir beispielsweise bei einem Immissionsgrenzwert von 40 dB, dann entsprechen 100 dB einem tausendfach höheren mittleren Druck
als dieser bei 40 dB vorliegt.

Im Zuge des Genehmigungsverfahrens (entsprechend TA Lärm mit zugehörigen Normen) wird der zulässige Schalldruck frequenzabhängig an die Empfangsleistung des Ohres angepasst, kenntlich gemacht durch den Index A bei der Maßeinheit dB (A). Denn unser Sensor Ohr hört zwar gut im Bereich von 500 Hz bis 10.000 Hz, fällt dann bei höheren und tieferen Tönen in seiner Leistungsfähigkeit sehr schnell ab. Unter 20 Hz ist unser Ohr unempfindlich und das ist gut so. Denn würden die Drucksensoren in unserem Ohr noch im Bereich von 1 bis 20 Hz empfindlich sein, würden die Druckstöße von unserem Herzschlag andere Töne überdecken. Auch hier ist es wichtig, sich eine Größenvorstellung zu dem bei der A-Bewertung erfolgten „Herunterrechnen“ bei tiefen Frequenzen zu machen. Erfolgt beispielsweise
gemäß erweiterter A-Kurve für eine Schallfrequenz von 7 Hz eine Korrektur um 80 dB, entspricht dies einer Druckkorrektur um den Faktor 10.000. Mit anderen Worten: Wären bei einem 1.000 Hz Ton noch 40 dB zulässig, dann wäre eine 7 Hz Druckschwingung mit 40dB + 80 dB = 120 dB noch zulässig. Würde man allerdings das Ohr in seinem guten Hörbereich bei 1.000 Hz den 120 dB aussetzen, würde dieser
druckempfindliche Sensor mit Schmerz reagieren.

Der Mensch besitzt nicht nur das Ohr als druckempfindliches Organ, vielfältige andere Drucksinnesorgane (Barorezeptoren) dienen zum Schutz und zur Steuerung unserer Körperfunktionen: Unser Tastsinn beruht auf den in der Haut vorhandenen druckempfindlichen Sensoren. Vater-Pacini-Körperchen sind unsere Spezialisten zur Erfassung von Vibrationen im Frequenzbereich von 40 bis 300 Hz. Und im Blutkreislauf werden Druck und Druckschwankungen von speziellen Barorezeptoren gemessen, Abweichungen werden mit einer Reaktionszeit von 1 sec ins Nervensystem gemeldet und lösen korrektive Gegenmaßnahmen aus, wie z.B. die Erhöhung der Herzfrequenz.

Die kritische Frage ist: Können die von Windrädern abgestrahlten und genehmigungstechnisch zulässigen niederfrequenten Druckschwankungen unsere vielfältig vorhandenen druckempfindlichen Sensoren anregen und damit unerwünschte Reaktionen im  Nervensystem auslösen?

Für eine korrekte Beantwortung dieser Frage ist das komplette tieffrequente Schalldruckspektrums eines Windrades am Ort der betroffenen Person mit den Ansprechschwellen der vielfältigen Drucksensoren des Menschen in Relation zu setzen.

In einer ersten Näherung genügt eine Abschätzung, in welcher Größenordnung tieffrequente Schallspitzen eines genehmigten Windrades den Menschen erreichen können und ob deshalb eine Reaktion unserer druckempfindlichen Sensoren wahrscheinlich sein kann.

Dazu im ersten Schritt eine einfache experimentelle Abschätzung zur Druckempfindlichkeit unseres Tastsinnes:

  • Lässt man ein 10x10x0,1 mm großes Papier auf die Handfläche fallen, wird die Druckänderung beim Auftreffen deutlich registriert. Noch deutlicher erfolgt dies auf dem behaarten Handrücken, die Haare wirken dort offenbar über die Hebelwirkung als Verstärker. Registriert wird die einmalige Druckänderung, danach haben wir kein Empfinden für den geringfügig erhöhten Druck an dieser
    Stelle.
  • Das Papier mit einem Volumen von 10 mm3 hat ein Gewicht von etwa 0,01 g.
  • 0,01 g auf einer Auflagefläche von 1 cm2 entspricht einer lokalen Druckerhöhung um 1 Pa

Das Experiment belegt die hohe Druckempfindlichkeit unseres Tastsinnes für Druckänderungen, dabei haben wir noch nicht die Grenzempfindlichkeit bestimmt, die auch noch eine Größenordnung tiefer liegen kann. Auch repräsentiert der Tastsinn nur einen Typ der vielen druckempfindlichen Sensoren. Die den Blutkreislauf regelnden filigranen Barorezeptoren sind möglicherweise noch deutlich empfindlicher. Wir können somit aus dem Experiment schließen, dass unsere druckempfindlichen Sensoren bei
Druckänderungen von 1 Pa und weniger ansprechen und Impulse an das Nervensystem abgeben.

Im zweiten Schritt stellt sich die Frage, ob für ein entsprechend TA Lärm (mit zugehörigen Normen) genehmigtes Windrad am Ort eines betroffenen Anliegers unterstellt werden kann, dass Druckschwankungen im tieffrequenten Bereich in der Größenordnung von 1 Pa auftreten.

Da das tatsächliche Schallspektrum des Windrades im niederfrequenten Bereich nicht verfügbar ist wird folgende vereinfachte Annahme getroffen: Wir vergleichen einen reinen bei 1000 Hz schwingenden Tongenerator mit einem reinen „Brummgenerator“ bei 7 Hz. Für beide Generatoren wird als genehmigter Immissionsgrenzwert 40 dB (A) angenommen (dies entspricht dem zulässigen Grenzwert eines
allgemeinen Wohngebietes in der Nacht).

  • Würde am Messort vom 1000 Hz Signal ein Schalldruck entsprechend dem Bezugsschalldruck von 2×10-5 Pa gemessen werden, so hätten wir dort per Definition des Schalldruckpegels gerade 0 dB.
  • 40 dB (A) vom 1000 Hz Ton entsprechen gleichzeitig 40 dB (denn in diesem Frequenzbereich erfolgt über die A-Kurve noch keine wesentliche Korrektur). Somit entsprechen 40 dB(A) = 40 dB des 1000 Hz Tons einem Schalldruck von 100x 2×10-5 Pa = 2×10-3 Pa.
  • 40 dB (A) der 7 Hz Druckschwingung wurden um 80 dB entsprechend der A-Kurve gegenüber dem tatsächlichen Druck von 40 dB korrigiert. Die Korrektur um 80 dB entspricht einem Faktor von 10.000.
    Der zu 40 dB (A) zugehörige Schalldruck ist somit 10.000 mal höher als der zu 40 dB(A) bei 1000 Hz
    zugehörige Schalldruck und beträgt somit 2×101 Pa = 20 Pa.

Die vorliegende Abschätzung ist als erste Näherung zur Frage zu verstehen, ob es aus physikalischer Sicht denkbar ist, dass die von genehmigungsfähigen Windrädern emittierten niederfrequenten Druckwellen in der Lage sind, die vielfältigen Drucksensoren unseres Körpers anzuregen. Die Abschätzung zeigt, dass im Genehmigungsverfahren von Windrädern tieffrequente Schallwellen in Größenordnungen zugelassen werden, welche unsere vielfältigen Drucksensoren ansprechen können. Die von betroffenen Anliegern von Windrädern vielfältig berichteten typischen Symptome wie „innere Unruhe“ und „Schlafstörungen“ könnten deshalb eine Folge der periodischen und vom Rhythmus unnatürlichen Reizwirkungen auf unsere vielfältigen Drucksensoren sein.

31. Juli 2017
Dr. Wolfgang Hübner

Projektierer vs. Rotmilan – 2 : 0

Der Rat der Gemeinde Freden hat heute nach teils hitziger Debatte der 10. Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt. Mit den Stimmen der Mehrheit der SPD und der CDU wurde der Antrag mit 8:5 Stimmen angenommen. Gegen den Antrag stimmte die drei Mitglieder der Wählergemeinschaft und Ines Hoffmann / Svenja Schwark (beide SPD). Sie sehen (wie auch die BI) weiterhin offene ungeklärte Fragen im Umweltbericht und haben diese auch deutlich benannt.

Besonders die (im Umweltbericht nun erstmalig benannten) Sichtungen von Schwarzmilan, Schwarzstorch und Rohrweise (alle drei stehen unter Naturschutz) im Bereich „der Marke“ macht die Zustimmung der Ratsmehrheit zu diesem Zeitpunkt in unseren Augen fragwürdig.

Leider hat die Mehrheit des Rates über diese Bedenken hinweg für die Ausweisung der neuen Windkraftgebiete gestimmt. Wir drücken die Daumen, dass die untere Naturschutzbehörde im Landkreis Hildesheim in einem möglichen nun anschließenden Genehmigungsverfahren eine gründliche Arbeit macht und die neuen Sichtungen (und zahlreichen Einwände im Rahmen der öffentlichen Beteiligungen während des Verfahrens) berücksichtigt.